„Ein bisschen FC St. Pauli mit weniger Alkohol…“

D-Jugend-Trainer Ivo Stahmer (links) wechselte im Sommer 2021 zusammen mit seinem Trainerkollegen Sascha Sosnowski (rechts) vom Nachbarn Preussen Eiberg zu uns in den Busch. Im Wolfsgeheul erzählt er über seinen aktuellen Eindruck vom TCF und eine außergewöhnliche Liebe zum schwedischen Fußballverein Kalmar FF

Du kamst im Sommer zum TC Freisenbruch. Welchen Eindruck hast du vom Verein?
Alles etwas abgewrackt. Aber das ist geil, solange das Herz stimmt. So ein bisschen FC St. Pauli nur mit weniger Alkohol. Dafür aber ein kleines Team, das mit der richtigen Einstellung arbeitet. Nicht der Trainer oder der Erfolg steht im Mittelpunkt, sondern die Kinder und ihre Entwicklung. So ist zumindest mein Eindruck von allen, die ich bisher kennengelernt habe. Eigentlich großes Potential und auch Wille, nur eingeschränkt von der Anlage.

Was fehlt dem Verein ?
Klar, eine vertretbare Anlage. Teilweise innere Strukturen. Das Konzept ist da und auch gut, es muss aber auch auf den Platz gebracht werden. Aus dem Trainerstab sollten wir versuchen ein Trainerteam zu formen, mit regelmäßigen Austausch. Und noch ein paar andere Dinge. Vieles hängt aber einfach mit der Anlage zusammen oder erfordert kreative Ideen. [Wenn man direkt von der Arbeit zum Sportplatz fährt und rechtzeitig beim Training zu sein und am Samstag noch einmal zum Punktspiel muss, ist verständlicherweise keine Zeit und Lust mehr für weitere Treffen da.]

Was sind deine Ziele mit dem TC Freisenbruch?
Mein Ziel ist es immer, die Jungs und Mädchen, die zum Training kommen, bestmöglich auf die nächste Altersstufe vorzubereiten. Beim TC Freisenbruch ist mein nächstes konkretes Ziel, zusammen mit Sascha den 2011er Jahrgang in die D-Jugend zu überführen, mit dem 2010er Jahrgang zu verstärken und in den Spielbetrieb zu gehen. Gleichzeitig auch für unsere 2009er Jungs, denen wir keine Spielmöglichkeit mehr bieten können, den Übergang in eine andere Mannschaft zu ermöglichen.

Du bist der Trainer der D-Jugend. Was gefällt dir daran, Kinder und Jugendliche zu trainieren?
Was gefällt mir daran? Irgendwie kann ich nicht mehr ohne. Seit 1999 gehört es irgendwie zu meinem Alltag. Natürlich ist es toll zu sehen, wie sich Kinder entwickeln. Wie aus dem grauen Mäuschen, dass über den Ball stolpert, ein Selbstbewusster Mittelfeldstratege wird. Es ist manchmal auch einfach schön zu sehen, wie es manchmal einfach plötzlich „klick“ macht. Ein kleiner Rest Pädagogikstudent steckt halt noch in mir.

Du bist Fan des Schwedischen Teams Kalmar FF. Ziemlich ungewöhnlich, oder?
Eine suchende Seele hat ihren Platz gefunden. Oder etwas unromantisch: Ein kalter Sommertag, den 27.07.2013 in der Guldfågeln Arena in Kalmar, Block H, Reihe 9 Platz 30 (ja, ich habe das Ticket noch – übrigens langweiliges 2:2 gegen IF Brommapojkarna) – da wird man Kalmar FF Fan. Ich war jahrelang Fan vom VfB Oldenburg. Nachdem der Verein 1996 aus der zweiten Liga abgestiegen ist (Vorletzter, ein Platz vor RW Essen!), ging der Verein einige Jahre später in die Insolvenz. Das Verhalten des Vereins in der Zeit hat mich entfremdet. Also jahrelang kaum Fußball verfolgt. 2013 während der Fußball-Europameisterschaft der Frauen in Schweden war ich mit meinem damaligen Freund in Schweden und ich wollte einfach zum lokalen Fußballverein, mir ein Spiel ansehen. Das war Kalmar FF. Und dort hat es mir einfach die Atmosphäre, das drumherum, einfach die ganze Art, wie Fußball in Schweden funktioniert, gefallen. Naja, und dann ist man hängen geblieben.

Zwischen Freisenbruch und Kalmar liegt schon eine große Distanz. Wie schaffst du es, die Spiele dort zu verfolgen?
Traditionell zum Saisonauftakt im April bin ich in Schweden und je nach Spielplan kann ich dann drei bis vier Spiele vor Ort sehen. Im August dann noch einmal drei Wochen mit wieder drei bis vier Spielen vor Ort. Gerne auch die Auswärtsfahrten im Minibus mit Bojjan nach Stockholm. Zu besonderen Spielen bin ich auch schon in den Zug oder Flieger gestiegen. Die übrige Zeit bleibt nur schwedisches Pay TV. Da Schweden im Vergleich zu Deutschland ein modernes Land ist, kann ich an allen Vereinssitzungen von Kalmar FF oder der Supporterunionen problemlos von zu Hause aus teilnehmen. Dazu kommt natürlich regelmäßig Studio Kalmar FF, (Anm. d. Red.: Studio Kalmar FF ist eine regelmäßige Web-TV Sendung mit aktuellen Vorgängen aus dem Verein) sowie den KFF Podden oder Röda Bröder Podden (Anm. d. Red.: beides Podcasts des Vereins) mit immer mal wieder regelmäßigen Infos.

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